Sprüth Magers Berlin London

Eau de Cologne   Sprüth Magers Berlin   september 17 - october 21 2015

Jenny Holzer, Barbara Kruger, Louise Lawler, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel (Group Show)
 
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In der Gruppenausstellung bei Sprüth Magers Berlin sind Werke von Jenny Holzer, Barbara Kruger, Louise Lawler, Cindy Sherman und Rosemarie Trockel versammelt, die vom Beginn der 1980er Jahre bis 2015 datieren.
Die fünf Künstlerinnen stellten bereits in den Anfangsjahren bei Monika Sprüth in Köln aus und sind der Galerie seit den frühen 80er Jahren eng verbunden. Neben Holzer, Kruger, Lawler, Sherman und Trockel wurden in den drei Ausgaben des von Monika Sprüth publizierten Magazins „Eau de Cologne“ in den Jahren 1985-1989 eine Vielzahl zeitgenössischer deutscher und amerikanischer Künstlerinnen sowie weibliche Akteure des damaligen Kunstmarkts in Porträts, Bildserien, Gesprächen und Texten vorgestellt. Die zweite Ausgabe des Magazins von 1987 trägt eine Arbeit von Barbara Kruger auf dem Cover und diente damit für die jetzige Ausstellung als Gestaltungsgrundlage für das Einladungsposter. Sowohl das Magazin als auch die drei Ausstellungen, die Monika Sprüth1985, 1987 und 1993 unter demselben Titel zeigte, sind Anknüpfungspunkte für diese Präsentation.

Barbara Krugers Vintage Prints entstanden 1996 als Vorlagen für ihren Beitrag für das britische Magazin Dazed & Confused. Blattfüllende Porträts in Zeitungsdruck-Ästhetik versieht sie mit ihren roten Textfeldern, welche Gedankenblasen der Abgebildeten zu sein scheinen. Für die Ausstellung wurde die Seitenanordnung aus dem Magazin neu zusammen gestellt.

Louise Lawlers wandfüllendes Werk (1999/2015) gehört zu ihren „adjusted to fit“-Arbeiten, in denen sie frühere Motive an die jeweils aktuelle Architektur und die zur Verfügung stehende Fläche anpasst. Die Ansicht aus dem Whitney Museum mit Jeff Koons’ Rabbit (1986) und Peter Halleys The Acid Test (1991-92) wird auf diese Weise erneut nach dem Blickwinkel der Betrachtung und den Präsentationsmethoden befragt, welche die Rezeption eines Kunstwerks maßgeblich determinieren.

Rosemarie Trockel hat für die Berliner Gruppenausstellung die Prints, die seit 2012 entstehen, zu drei größeren Gruppen zusammengefasst. Zuletzt waren diese in ihrer Einzelausstellung im Kunsthaus Bregenz (2015) zu sehen. Für Berlin ordnet sie die Motive neu und bildet gezielt Gruppierungen und Nachbarschaften, die sie als CLUSTER bezeichnet. Mit am Computer bearbeiteten Bildmotiven, Schnappschüssen aus der täglichen künstlerischen Arbeit, detailliert komponierten Fotografien sowie zahlreichen Verweisen auf eigene Werke und Bezüge zu anderen Künstlern, Freunden oder historischen Personen und Begebenheiten schafft sie ein komplexes und vielfältiges Bezugssystem, das Verbindungslinien innerhalb ihres eigenen Werkes zieht und dieses zugleich in den
zeithistorischen Kontext einbettet. Daneben ist Trockels Arbeit Tisch 7 (2008) zu sehen: ein weißer, niedriger Keramiktisch, bei dem zwei der Tischbeine als Abstraktion eines Knieenden ausgebildet sind.

Cindy Sherman kombiniert in ihren neuesten Arbeiten von 2015 bis dato unveröffentlichte Fotografien aus älteren Serien und Arbeitsphasen zu neuen Werken, und evoziert so andere Betrachtungsweisen und gedankliche Ansätze. In den hier gezeigten Triptychen werden Porträts mit teils abstrakten, skurrilen Aufnahmen verschränkt und besonders das Interesse am Hässlichen und Grotesken betont. Diese Herangehensweise erprobte sie bereits als Präsentationskonzept in ihrer großen Einzelausstellung „Untitled Horrors“, die 2013/2014 im Astrup Fearnley Museet in Oslo, Moderna Museet in Stockholm und im Kunsthaus Zürich zu sehen war.

Jenny Holzers 60 handgemalte Emailplaketten, die als großer zusammenhängender Block gezeigt werden, entstanden parallel zu ihrer Living-Serie zwischen 1980 und 1982. Auf den quadratischen, weißen Tafeln sind in roten oder schwarzen Lettern Texte zu lesen, die im Stil journalistischer Tatsachenberichte geschrieben sind und Beobachtungen, Hinweise oder Warnungen enthalten. Dabei geht es immer wieder um die individuelle Wahrnehmung von Körper, Selbst, Beziehungen oder Personen und Landschaften, um Regeln, Erwartungen und Wünsche oder Ängste. Diese Texte finden außerdem Verwendung in den Sitzflächen der Granitbänke, die vor Louise Lawlers Wandarbeit aufgereiht sind und auf diese und die Keramik von Rosemarie Trockel zu antworten scheinen. Das LED von 1986, mit seinem schwarzen Gehäuse und der grün-roten Schrift, gehört zur Textserie Under a Rock aus dem selben Jahr, in der Holzer vor allem die Auswirkungen eines eskalierenden Militarismus und den Machokult thematisiert, der eine solche Eskalation unterstützt.

Referenzen innerhalb des eigenen OEuvres, der Kunstgeschichte und zeitgenössischer gesellschaftlicher Fragestellungen eröffnen sich in vielen der ausgestellten Arbeiten. Die zentrale Thematik von Wahrnehmung und Darstellung – von Kunst oder menschlichen Individuen – ist den Werken inhärent und spiegelt einen Diskurs wieder, der sowohl innerhalb der Geschichte der Galerie seit den 1980er Jahren fortwährend geführt wurde, als auch in der jüngeren Kunstgeschichte ein wiederkehrendes Anliegen ist.

Für weitere Informationen und Presseanfragen wenden Sie sich bitte an Silvia Baltschun
(sb@spruethmagers.com).
Öffnungszeiten der Galerie: Dienstag - Samstag, 11-18 Uhr
Ausstellungseröffnung: 16. September 2015, 18 - 21 Uhr