Sprüth Magers Berlin London

ARTE POVERA AND 'MULTIPLI',
TORINO 1970-1975
   Sprüth Magers Berlin   september 18 2014 - april 02 2015

Giovanni Anselmo, Alighiero Boetti, Giulio Paolini, Pier Paolo calzolari, Giuseppe Penone, Michelangelo Pistoletto, Salvo, Gilberto Zorio (Group Show)
 
Overview  /  Press Release english / deutsch   /  print press release
 
1970 eröffnete Giorgio Persano seine erste – und für diese Zeit außergewöhnliche – Galerie „Multipli“ in Turin. In Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Arte Povera-Bewegung und italienischen Künstlern, die mit der Konzeptkunst jener Jahre in Verbindung standen, produzierte „Multipli“ von 1970 bis 1975 eine bedeutende Sammlung von Auflagenobjekten. Persano und seine Künstler betrachteten das Auflagenobjekt nicht als bloßes Mittel, um Bilder durch die Reproduktion von Originalen zu vervielfältigen und in Umlauf zu bringen. Die Galerie wurde vielmehr in der Überzeugung gegründet, dass ein Kunstwerk demokratisch sein kann. Obwohl alle Werke als Teil einer Serie entstanden, sollte jedes einzelne Objekt die Merkmale und die Aura eines Unikats beibehalten. Sprüth Magers Berlin präsentiert eine von Elena Re kuratierte Ausstellung, die das Konzept des Auflagenobjekts der Arte Povera-Künstler als treibende Kraft erforscht, aus der eine neue Form der künstlerischen Produktion hervorging.

Zu den Künstlern, die mit „Multipli“ arbeiteten und ausstellten, zählen Giovanni Anselmo, Alighiero Boetti, Pier Paolo Calzolari, Giulio Paolini, Giuseppe Penone, Michelangelo Pistoletto und Gilberto Zorio, sowie Marco Gastini, Giorgio Griffa, Claudio Parmiggiani und Salvo. Sie entwickelten kein spezifisches oder kollektives Medium für ihre Werke, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, wodurch sie einen wichtigen Beitrag zur historischen Signifikanz des neuen Genres leisteten. Anselmo arbeitete beispielsweise mit Erde, Zorio ritzte in Rindsleder, Salvo schuf Marmortafeln, Calzolari fertigte Installationen aus Filz, goldenem Faden und einer Rose, Penone gebrauchte seinen Unterarm, um damit Abdrucke zu machen, die ihm später wiederum als Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Werke dienten, während Pistoletto mit Siebdruck auf Edelstahl experimentierte. Die Galerie entwickelte sich zu einer Werkstatt für die Produktion von Arbeiten, die ausschließlich als Auflagenobjekte konzipiert waren und in limitierten Editionen erschienen, und prägte damit nachhaltig die angestrebte Kombination von Einmaligkeit und Freiheit. Neben dem Merkmal der Reproduzierbarkeit der Werke und dem innovativen Galeriemodell war die wichtigste Errungenschaft die besondere Qualität der Arbeiten, die daraus hervorgingen. Dies lässt sich auf das systematische, konstruktive Engagement aller beteiligten Künstler zurückführen, die eng zusammenarbeiteten, um eine neue Kunstform zu erschaffen.


Die von Persanos „Edizioni Multipli“ produzierten Werke wurden in den vergangenen zwanzig Jahren in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in Arte Povera: Les multiples 1966-1980, Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain, Nizza (1996); Che fare? Arte Povera – The Historic Years, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz (2010) und Light Years: Conceptual Art and the Photograph, 1964-1977, The Art Institute of Chicago (2011). Arte Povera und ‚Multipli’, Torino 1970-1975 ist die erste Präsentation, die sich ausschließlich auf Persanos Galerie konzentriert. Elena Re, die parallel eine ausführlichere Analyse und umfassende Ausstellung zu „Multipli“ vorbereitet, hat eine Ausstellung mit repräsentativen historischen Werken zusammengetragen, die den unverwechselbaren Charakter und die Bedeutsamkeit der Galerie und ihrer Zeit herausstellt. Neben den Auflagenobjekten selbst umfasst die Berliner Präsentation ein breites Spektrum von Objekten und Zeitdokumenten, unter anderem Bücher, Zeitschriften, Einladungskarten, Informationsblätter und Fotografien.


Zeitgleich zeigt Sprüth Magers Berlin die Einzelausstellungen Radiopictures von Thomas Scheibitz und Dailies 2008 - 2014 von Thomas Demand.

Für weitere Informationen und Presseanfragen wenden Sie sich bitte an Silvia Baltschun (sb@spruethmagers.com).

Ausstellungseröffnung: 17.09.2014, 18 - 21 Uhr,
Öffnungszeiten der Galerie: Di - Sa, 11 - 18 Uhr