Sprüth Magers Berlin London

No Drones   Sprüth Magers Berlin   november 15 2014 - january 17 2015

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Louise Lawlers Fotografien zeigen Gegenstände und Kunstwerke in ihrem alltäglichen Umfeld. Anstatt dabei jedoch die dargestellten Motive als solche in den Vordergrund zu rücken, ist die Aufmerksamkeit der Künstlerin vielmehr auf den Blickwinkel der Betrachtung, die Präsentationsmethoden und Wege der Verbreitung gerichtet – Faktoren, die sich auf die Rezeption eines Kunstwerks auswirken. In ihrer Ausstellung No Drones präsentiert Lawler eine Gruppe von 'tracings', eine Serie, die sie 2013 anlässlich ihrer Ausstellung im Museum Ludwig in Köln entwickelt hat. Direkt von Lawlers Fotografien nachgezeichnet und in Zusammenarbeit mit dem Künstler und Kinderbuchillustrator Jon Buller entstanden, sind die 'tracings' schwarzweiße Linienzeichnungen, die in Vektorgrafiken umgewandelt und auf Vinyl gedruckt werden, das unmittelbar auf die Wand geklebt wird. Jede Edition existiert als eine variable digitale Datei, die in jeder beliebigen Größe gedruckt werden kann. Eine Auswahl der 'tracings' in der Ausstellung wurde zum Beispiel an die großen Wände der Berliner Galerie angepasst. Ein 'tracing' materialisiert sich nur in der Ausstellungssituation; im Anschluss daran kann es zerstört und für die nächste Präsentation in einer anderen Größe neu produziert werden. Bei einigen Werken handelt es sich um Editionen von 10 Exemplaren, während andere unlimitierte Auflagen sind.

Die größte Arbeit in der Ausstellung ist Pollock and Tureen (traced) (1984 / 2013), eine Linienzeichnung nach Lawlers ikonischer Fotografie Pollock and Tureen (1984). Das Originalwerk, eine mittelgroße, knapp einen Meter breite Fotografie, zeigt eine dekorative Porzellanterrine, die auf einem Regalbrett unmittelbar unter den expressiven Farbspritzern eines Pollocks steht. Pollock and Tureen (traced) wurde auf fast zehn Meter vergrößert, sodass es eine der langen Galeriewände großflächig ausfüllt. In dieser Größenordnung verhalten sich viele der Linien in der Vektorzeichnung auf eine nicht kalkulierbare Art und Weise: Aus nächster Nähe betrachtet entwickeln sie häufig ein Eigenleben, betrachtet man sie jedoch aus der Ferne, fließen die Linien wieder zu einem in sich geschlossenen, erkennbaren Bild zusammen. Jedes 'tracing' zeichnet ein früheres Kunstwerk von Lawler nach; zugleich ist es eine ephemere ortsspezifische Installation, welche die konzeptuellen Grundlagen von Bildern erweitert. In einem Textbeitrag im Katalog des Museum Ludwig beschreibt Philipp Kaiser die 'tracings' als „Gerippe“, die „die äußersten Enden und Ecken der Bilder und ihrer Kontexte“ ausloten.

Darüber hinaus zeigt Lawler eine Gruppe von Werken, die sie 'traced and painted' nennt – eine Weiterentwicklung der 'tracings'. Diese Werke sind kleinformatige, von der Künstlerin handbemalte Drucke auf Papier, welche Bilderhandschriften in der Buchmalerei oder Malheften für Kinder ähneln. Pollock and Tureen (traced and painted), Third (1984 / 2013 / 2014) basiert auf der gleichen Umrisszeichnung, die für die großformatige Wandarbeit auf Vinyl benutzt wurde, ist jedoch auf 20 x 25 cm verkleinert und mit einem dezenten grün-goldenen Streifen versehen, der sich durch die Bildmitte zieht.

Louise Lawler (geb. 1947, Bronxville, USA) lebt und arbeitet in New York. Ihr Werk wurde in zahlreichen Einzelausstellungen präsentiert, unter anderem im Museum Ludwig, Köln (2013), Albertinum, Dresden (2012),  Wexner Center for the Arts, Ohio (2006), Dia: Beacon, New York (2005), Museum für Gegenwartskunst, Basel (2004), Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C. (1997), The Photographers’ Gallery, London (1997), Kunstverein München (1995), Centre d’Art Contemporain, Genf, (1994), Museum of Fine Arts, Boston (1990) und im MoMA, New York (1987). Zudem hat Lawler an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter im Hammer Museum, Los Angeles (2014), Palazzo Grassi, Venedig (2011), Barbican, London (2008), Whitney Biennial am Whitney Museum of American Art, New York (2008, 2000, 1991), Institute of Contemporary Arts, London (2004), Museum of Contemporary Art, Chicago (2002), Kunsthalle Basel (2000), Kunstmuseum Düsseldorf (1997), Art Institute of Chicago (1990), New Museum of Contemporary Art, New York (1990, 1986, 1985) und im Museum of Contemporary Art, Los Angeles (1989, 1988). 


Zeitgleich zeigt Sprüth Magers Berlin die Einzelausstellung I wish my pictures von Robert Elfgen und die Gruppenausstellung Arte Povera und 'Multipli', Torino 1970-1975 kuratiert von Elena Re.

Für weitere Informationen und Presseanfragen wenden Sie sich bitte an Silvia Baltschun
(sb@spruethmagers.com).
Ausstellungseröffnung: 14.11.2014, 18 - 21 Uhr. Öffnungszeiten der Galerie: Di - Sa, 11 - 18 Uhr.