Sprüth Magers Berlin London

development   Sprüth Magers Berlin   april 27 - june 16 2012

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Monika Sprüth und Philomene Magers freuen sich, eine neue Ausstellung von Robert Elfgen in Berlin zu zeigen.

Robert Elfgen beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Natur, Mensch und Gesellschaft. Als Ausgangspunkt seiner Arbeiten dienen dem Künstler biographische Erfahrungen und Alltagsbeobachtungen. Betritt man eine seiner raumbezogenen Installationen, verbinden sich assoziativ Skulpturen, Assemblagen, Collagen und Filme zu räumlichen Allegorien, die eine private Mythologie erfahrbar machen. Übergangssituationen, soziale Schwellenrituale, der Kreislauf der Natur und der Wechsel von Aggregatszuständen: materielle und immaterielle Transfers liefern die Motive seiner symbolischen und oft skurrilen Bildwelten.
Die Arbeiten selbst verbinden handwerklich perfekte Ausführung mit Improvisation. Alte künstlerische Techniken wie Glasgravur, Intarsien, Metallätzungen, Hochdruck und ihre sorgfältige Ausführung stehen gebrauchten Materialien, gefundenen Objekten, Zufallsergebnissen und mechanischen Spielereien gegenüber.
Häufig arbeitet Elfgen über einen längeren Zeitraum mit formalen Leitmotiven, die er der Natur entnimmt. Zu diesen Serien gehören Tiere aus Holzfurnier, die er vor monochromem Hintergrund montiert; abstrakt-geometrische ‚Gemälde’, welche die Architektur von Bienenstöcken imitieren oder milchige, semitransparente Oberflächen und Hintergründe, die an Lichtstimmungen in der Natur erinnern. Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Abstraktion und Gegenständlichkeit. Trotz ihrer physischen Präsenz erhalten sie dadurch einen ephemeren Charakter.
Wiederkehrend ist auch das Spiel mit realer und illusionistischer Räumlichkeit in den Collagen wie in den Installationen. Elfgen bezieht die Architektur des Ausstellungsortes in die Gesamtkonzeption mit ein, wodurch die Installationen eine einmalige Existenz erhalten. Ähnlich sakraler Kunst und Architektur erzeugt Elfgen eine sinnbildliche Totalität, die sich durch physische Bewegung und Einfühlung vermittelt.

Robert Elfgens neue Ausstellung development führt uns ‚stabile Ungleichgewichte’ vor. Spielerisch – humorvoll und ironisch umkreist er das Verhältnis von Produktion und Verwertung in Kunst, Gesellschaft und Natur. In diesem Feld verhandelt er Fragen der künstlerischen Produktion als transformierenden Prozess und künstlerische Autorschaft als dynamisches Konzept.

seeblick (2012), eine Assemblage aus Versatzstücken eines Beichtstuhls und einer Skateboardrampe auf der Rückseite, verlangsamt das Eintreten in den Raum, bestimmt die Bewegungsrichtung und nimmt den Blick auf das Dahinterliegende. Symbolisches und Funktionales, Doppelseitiges, Ernst und Spiel, Gefundenes und Gebautes sind miteinander kombiniert in einer Bricolage, die Elfgen hier als handwerkliche wie inhaltliche Methode verwendet.

Im anschließenden Raum entspinnt development mit weiteren Assemblagen, Objets trouvés und Collagen ein offenes Geflecht aus Bezügen. An den Wänden sind die Collagen in freier Petersburger Hängung präsentiert. Elfgen greift auch in diesen auf vorgefundenes Material zurück: Kopien von Motiven aus dem Internet sind mit Stoffen und Furnier auf Holzgrund kombiniert und entwickeln kleine surreale Geschichten. Die in einem Zufallsprinzip bestimmten Titel ergänzen diese Narrationen mehrdeutig.

Brandenburg (2012), ein im Wald gefundender Baumstamm, trägt deutlich die Spuren von Blitzeinschlag und Insektenbefall und ergänzt als reines Naturprodukt die industriell angefertigten Objets trouvés der anderen Skulpturen. Durch die Positionierung des Baumes vor den Fenstern mit Blick in den Garten wird die Ausstellung in ein erweitertes Verhältnis zur Natur gesetzt.


Robert Elfgen studierte zunächst bei John Armleder an der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig, bevor er an die Kunstakademie Düsseldorf wechselte und dort als Meisterschüler von Rosemarie Trockel sein Studium abschloss. Er lebt und arbeitet in Köln.
Einzelausstellungen der vergangenen Jahre waren des bien ich, Sprüth Magers Köln, 2008, expedition, westlondonprojects, London, 2006 und 1+1 = 3 Elfgen – Technik, Bonner Kunstverein, 2005. Zudem war er an Gruppenausstellungen beteiligt wie Paul Thek – Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst, ZKM Karlsruhe (2007-2008), Lieber Friedrich, Kunstverein Kassel (2006) und „7“, Sprüth Magers Lee, London (2005).
2012 werden neue Arbeiten des Künstlers in Gruppenausstellungen im Museum Morsbroich, Leverkusen, und in der Galerie Helga de Alvaers, Madrid, zu sehen sein. Im Juni 2012 erscheint ein Katalog zur Ausstellung.


Zeitgleich zu dieser Ausstellung zeigt Sprüth Magers Berlin die Einzelausstellungen Endgame von Jenny Holzer und Early Performance Films von Anthony McCall.

Für weitere Informationen und Presseanfragen wenden Sie sich bitte an Silvia Baltschun
(sb@spruethmagers.com).

Ausstellungseröffnung: 27.04.2011, 18 - 21 Uhr
Öffnungszeiten der Galerie: Di - Sa, 11 - 18 Uhr